Die Weltuntergangsuhr schlägt 2 1/2 vor 12!

 

Es ist zweieinhalb Minuten vor 12! Auf der Weltuntergangsuhr (auch: “Atomkriegsuhr“, “Doomsday Clock” oder “Uhr des Jüngsten Gerichts“) stehen die Zeiger seit dem 26. Januar 2017 auf 2 1/2 Minuten vor Zwölf.

Am 27. Januar 2016 gab ein Gremium aus Wissenschaftlern (darunter 17 Nobelpreisträger) und Fachautoren des Bulletin of the Atomic Scientists bekannt, dass die Uhr von drei Minuten auf zweieinhalb Minuten vor 12 vorgerückt wird. Erstmals in der Geschichte der Weltuntergangsuhr wird der Zeiger somit nicht im Minutenschritt verstellt. In 2017 sehen die Wissenschaftler die Welt um 30 Sekunden näher am Untergang der Menschheit als noch im Vorjahr.

Ein wichtiger Grund sei die Wahl Donald J. Trumps zum US-amerikanischen Präsidenten. Die Probleme und Gefahren seien noch dringlicher als in den zwei Jahren zuvor. In der Stellungnahme des Expertengremiums, die sich an “Anführer und Bürger der Welt” richtet, heißt es, Trump habe im Wahlkampf besorgniserregende Bemerkungen über den Einsatz und die Weiterverbreitung von Atomwaffen gemacht und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel infrage gestellt. “Obwohl er gerade erst das Amt aufgenommen hat, haben die zügellosen Aussagen, der Mangel an Offenheit für den Rat von Experten und fragwürdige Kabinett-Nominierungen eine bereits schlechte Lage der internationalen Sicherheit verschlimmert”. Aufgrund der Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Publikation der Stellungsnahme des Bulletins Donald Trump erst wenige Tage im Amt ist und es sich noch zeigen wird, ob der neue US-Präsident seinen radikalen Worten auch ebenso radikale Taten folgen lässt, wurde die Weltuntergangsuhr lediglich um 30 Sekunden verstellt, als wie üblich um eine oder mehrere Minuten.

Mit dem Vorrücken der Weltuntergangsuhr um 30 Sekunden sehen die Wissenschaftler die Welt noch näher an der Zerstörung durch einen Atomkrieg oder Klimakatastrophen als noch in den letzten zwei Jahren: “Das ist historisch. Die Uhr ist in 64 Jahren nicht näher an Mitternacht gewesen”, sagte der Physiker und Bulletin-Vorstandsmitglied Lawrence Krauss. 1953, nach den ersten Wasserstoffbomben-Tests stand sie auf zwei Minuten vor Zwölf. Seit 2015 hatte die Uhr auf drei Minuten vor Mitternacht gestanden.

Die Atomkriegsuhr wurde 1947 eingeführt und damals auf sieben Minuten vor 12 gestellt. Sie soll zum Ausdruck bringen, wie knapp die Menschheit vor der Vernichtung durch Atomwaffen oder Umweltgefahren steht. Seit 1974 gab es entsprechend der sich ändernden Weltlage, z.B. aufgrund der Auseinandersetzungen im Kalten Krieg, 23 Anpassungen der Weltuntergangsuhr. Zwischen 1953 und 1960 stand die Welt demnach so knapp wie nie vor einem Atomkrieg. Die Uhr zeigte zwei Minuten vor 12. Grund dafür war die sich beschleunigende weltweite Aufrüstung von Kernwaffen und das Streben nach der Wasserstoffbombe.

Zwar war die Gefahr eines Atomkrieges während der Kubakrise 1962 ungleich höher, doch konnte dieser Vorfall auf der Dooms-Day-Clock nicht abgebildet werden, da das Atomwissenschaftler-Magazin nur alle 2 Monate erscheint und die Krise zum Glück glimpflich verlief und schon vorbei war, bevor die nächste Ausgabe veröffentlicht wurde.

Im Folgenden ein Überblick über die Anpassungen der Weltuntergangsuhr:

Weltuntergangsuhr

Details zu den Gründen, warum der Zeiger der Uhr vor- oder zurückgestellt wurde, sollen im Folgenden aufgezählt werden.

Die Weltuntergangsuhr im Wandel der Zeit

1947 – Es ist 7 vor 12! Das Berichtsblatt der Atomwissenschaftler setzt sich seit seiner Gründung im Jahre 1945 mit Fragen und Debatten hinsichtlich der Atompolitik und der globalen Sicherheit auseinander. Zunächst erschien das Blatt nur als Newsletter, wird seit 1947 jedoch auch als gedrucktes Magazin veröffentlicht. Auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe erschien zum ersten Mal die Doomsday Clock, die auf 7 Minuten vor Mitternacht gestellt wird und die Gefahr vor einem Atomkrieg symbolisieren soll. Die Magazingründer und Nuklearwissenschaftler nutzten diese Form der Darstellung, um der Öffentlichkeit und den politischen Führern auf der ganzen Welt die Dringlichkeit einer offenen Debatte und die unmittelbare Bedrohung durch nukleare Waffen und Technik (später auch des Klimawandels) zu vermitteln.

1949 – Es ist 3 vor 12! Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) verleugnet es zwar, doch im Herbst 1949 informiert US-Präsident Harry Truman die amerikanische Bevölkerung über erste Atomwaffentests der Sowjets. Dies markiert den Beginn des Wettrüstens zwischen Ost und West. Das Blatt schreibt: “Wir wollen Amerikaner nicht mit Aussagen verunsichern, dass der Weltuntergang nahe ist und in einem Monat oder auch Jahr Atombomben in den USA gezündet werden. Aber angesichts der aktuellen Entwicklungen dürfte bei ihnen tiefe Beunruhigung vorherrschen. Die amerikanische Öffentlichkeit sollte auf folgenschwere Entscheidungen vorbereitet sein.”

1953 – Es ist 2 vor 12! Nach langen Debatten beschließen die Vereinigten Staaten von Amerika, die Wasserstoffbombe zu bauen, eine Waffe, die ein Vielfaches der Zerstörungswucht einer jeden Atombombe hat. Im Oktober 1952 testen die USA ihren ersten thermonuklearen Sprengsatz und fegen dabei eine ganze Pazifikinsel von der Landkarte. Neun Monate später reagieren die Sowjets mit dem Test einer eigenen Wasserstoffbombe. “Die Zeiger der Doomsday Clock haben sich abermals bewegt”, schreibt das Magazin der Atomwissenschaftler. “Nur noch wenige Pendelschläge und Atomexplosionen von Moskau bis nach Chicago werden das Ende der westlichen Zivilisation bedeuten.”

1960 – Es ist 7 vor 12! Die politischen Handlungen und Botschaften relativieren die harten Worte und Androhung “massiver Vergeltung”. Zum ersten Mal scheinen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bestrebt, direkte Konfrontationen, wie etwa in der Suezkrise von 1965, zu vermeiden. Gemeinsame Projekte mit Dritten, die Vertrauen und einen konstruktiven Dialog fördern, führen zu einer weitgehenden Beilegung diplomatischer Feindseligkeiten. Wissenschaftler initiieren viele dieser Maßnahmen wie zum Beispiel das “Internationale Geophysikalische Jahr” oder die Pugwash Konferenz, die nicht nur die weltweite Forschung vorantreiben, sondern auch den Austausch zwischen amerikanischen und sowjetischen Wissenschaftlern z.B. in Fragen der atomaren Bedrohung und der globalen Sicherheit wieder ermöglichen. In Anbetracht dieser Entspannung wird die Atomkriegsuhr um 5 Minuten nach hinten gestellt.

1963 – Es ist 12 vor 12! Nach einem Jahrzehnt ununterbrochener Atomtests unterzeichnen die Vereinigten Staaten und die UdSSR einen Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser. Während Atomwaffentests unter der Erde von dem Verbot jedoch unberührt bleiben, führt er zumindest zu einer Entschleunigung beim Wettrüsten. Er signalisiert zudem das Bewusstsein der Sowjets und der Vereinigten Staaten, dass sie zusammenarbeiten müssen, um eine atomare Katastrophe und Vernichtung der Menschheit zu verhindern.

1968 – Es ist 7 vor 12! Regionale Kriege bestimmen die weltweite Politik. Das USA verstärken ihr kriegerisches Engagement in Vietnam, Indien kämpft 1965 gegen Pakistan und Israel und seine arabischen Nachbarn lassen 1967 abermals Feindlichkeiten aufleben. Schlimmer noch, entwickeln nun auch Frankreich und China atomare Waffen, um in den Kreis der Atommächte aufzusteigen und sich als Global Player zu behaupten. “Es besteht wenig Grund, sich zuversichtlich zu zeigen, wenn es um die Zukunft unserer Gesellschaft geht”, beklagt sich das Bulletin. “Zwar existiert eine generelle Abscheu gegen Krieg, doch gibt es offensichtlich keinerlei Bemühen der Staatengemeinschaft, das tödliche Erbe der internationalen Anarchie zu verhindern.”

1969 – Es ist 10 vor 12! Fast alle Nationen dieser Erde kommen zusammen, um den Atommwaffensperrvertrag zu unterzeichen. Der Deal ist einfach: Die Atommächte geloben, den Staaten ohne nukleare Waffen bei der Entwicklung eines zivilen Atomprogramms zu unterstützen, wenn diese im Gegenzug versprechen auf die Produktion von Nuklearwaffen zu verzichten. Die Kernwaffenstaaten verpflichten sich zudem, ihre eigenen Arsenale abzurüsten, sollten die politischen Umstände dies zulassen. Obwohl sich Israel, Indien und Pakistan weigern, den Vertrag zu unterschreiben, zeigt sich das Bulletin der Atomwissenschaftler optimistisch: “Die Großmächte haben den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Nun sollten sie unverzüglich den nächsten Schritt unternehmen: den stufenweisen Rückbau der eigenen überdimensionierten Militäreinrichtungen.

1972 – Es ist 12 vor 12! Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion wollen mit der Unterzeichnung der SALT-Verträge (Strategic Arms Limitation Talks) und des ABM-Vertrags (Anti-Ballistic Missiles) dem Rennen um die nukleare Überlegenheit Einhalt gebieten. Ziel ist ein nukleares Patt der beiden Parteien. Während SALT die Anzahl der nuklear-strategischen Trägersysteme beider Länder beschränkt, geht es beim ABM-Vertrag um die Begrenzung der Entwicklung und des Einsatzes von Raketenabwehrsystemen.

1974 – Es ist 9 vor 12! Während Südasien an der Entwicklung von Nuklearwaffen arbeitet, testet Indien seine erste Atombombe. Damit erscheinen alle Anstrengungen um eine Rüstungskontrolle und die dahingehenden erzielten Abkommen wie eine Fata Morgana. Die Vereinigten Staaten und die UdSSR arbeiten an einer Modernisierung ihrer Nukleartechnik anstatt am Abbau des Atom-Arsenals. Dank des Einsatzes von Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV = Multiple Independently targetable Reentry Vehicle) können beide Länder ihre Interkontinentalraketen nun mit noch mehr nuklearen Sprengköpfen bestücken als zuvor und mehrere Ziele gleichzeitig angreifen, was das Abwehren durch das gleichzeitige Eindringen vieler Sprengköpfe erschwert.

1980 – Es ist 7 vor 12! 35 Jahre nach dem Beginn des Atomzeitalters und nach einigen vielversprechenden Abrüstungsbemühungen, sehen die USA und die Union der Sowjetrepubliken Atomwaffen weiterhin als integralen Bestandteil ihrer nationalen Sicherheit. Die Wissenschaftler zeigen sich ob des zum Stillstand gekommenen Abrüstungsfortschrittes entmutigt: “Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten benehmen sich wie was man am besten als ‘Nuklearholiker’ bezeichnen kann – Betrunkene, die darauf bestehen, dass dieses Getränk nun wirklich ‘das letzte’ sei, die dann aber doch wieder eine gute Ausrede für noch eine ‘allerletzte Runde’ finden.”

1981 – Es ist 4 vor 12! Die sowjetische Invasion in Afghanistan führt zu einer Intensivierung der US-Nuklearstrategie. Bevor er sein Amt verlassen muss, entscheidet US-Präsident Jimmy Carter, dass die Athleten der Vereinigten Staaten den Olympischen Spielen 1980 in Moskau aus Protest fernbleiben. Auch lotet er offen Strategien aus, wie die USA einen Atomkrieg gewinnen könnten. Die Rhetorik verschärft sich nur noch durch die Wahl von Ronald Reagan als neuer Präsident. Reagan blockt jegliche Diskussionen um Rüstungskontrolle ab und beharrt auf dem Standpunkt, dass es der beste Weg zur Beendigung des Kalten Krieges sei, den Krieg zu gewinnen.

1984 – Es ist 3 vor 12! So eisig war das Verhältnis der USA und der Sowjetunion seit Jahrzehnten nicht. Das Bulletin of the Atomic Scientists stellt die Weltuntergangsuhr auf 3 Minuten vor Mitternacht! Damit befindet sich die Welt so knapp vor einer Katastrophe wie selten. Der Dialog zwischen den beiden Supermächten ist quasi zum Erliegen gekommen. “Jegliche Form der Kommunikation – egal auf welchem Kanal – wurde beschränkt oder gänzlich beendet; jegliche Form von Kontakt wurde abgeschwächt oder abgebrochen. Und Verhandlungen zur Rüstungskontrolle werden nur noch zur Propaganda aufrechterhalten”, informiert das besorgte Bulletin seine Leser. Die Vereinigten Staaten scheinen die wenigen abgeschlossenen Rüstungskontrollabkommen zu missachten, indem sie nach neuen Raketenabwehrsystemen streben, die im Weltall positioniert werden sollen. Das Berichtsblatt fürchtet daher den Beginn eines neuen Wettrüstens.

1988 – Es ist 6 vor 12! Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion unterzeichnen den historischen INF-Vertrag (Intermediate Range Nuclear Forces), der die Vernichtung aller Raketen mit mittlerer und kürzerer Reichweite und die Produktion selbiger vorsieht. Mit dem Abkommen wird zum ersten Mal eine ganze Kategorie von Kernwaffen verboten. Dank der nun gemäßigteren Linie von US-Präsident Ronald Reagan und des sowjetischen Premiers Michail Gorbatschow kamen die Verhandlungen über eine Abrüstung schließlich zu einem positiven Abschluss, nicht zuletzt auch aufgrund der öffentlichen Opposition gegen US-Atomwaffen in Westeuropa. Auch den beiden deutschen Staaten kam beim Zustandekommen des Vertrages eine besondere Rolle zu, die beide als potentielles Zielgebiet für einen Erstschlag galten und daher durch die Raketen besonders bedroht waren. Durch ein beständiges Drängen ihrer Bündnispartner zum Verzicht auf die Mittelstreckenraketen, verbesserte sich auch die innerdeutschen Beziehungen.

1990 – Es ist 10 vor 12! Nachdem sich ein osteuropäischen Land nach dem anderen (Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien) aus der Klauen der Sowjetunion löst und seine Unabhängigkeit erklärt und sich der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow weigert zu intervenieren, fällt der eiserne Vorhang, der das ideologisch umkämpfte Europa in Ost und West teilte und verringert somit erheblich das Risiko eines nuklearen Kriegs. Der Fall der Berliner Mauer Ende 1989 symbolisiert das Ende des Kalten Krieges. “44 Jahre nachdem Winston Churchill das Herabsenken des Eisernen Vorhangs auf Europa beklagte, wurde der Mythos des monolithischen Kommunismus vor den Augen aller zertrümmert”, verkündet das Bulletin.

1991 – Es ist 17 vor 12! Jetzt wo der Kalte Krieg offiziell beendet ist, beginnen die USA und Russland mit dem umfassenden Abbau ihrer Nukleararsenale. Der Vertrag zur Verringerung strategischer Waffen (START = Strategic Arms Reduction Treaty) führt zur gemeinsamen und schrittweisen Abrüstung strategischer Trägersysteme für Nuklearwaffen. Besser noch reduzieren die ehemaligen Kontrahenten in einseitigen Initiativen und ohne vorherige Verhandlungen einen großen Teil ihrer abfeuerbereiten Interkontinentalraketen. “Die Illusion, dass zehntausende von atomaren Waffen ein Garant der nationalen Sicherheit seien, wurde endlich abgestreift”, erklärt das Fachblatt und setzt den Zeiger der Uhr auf 17 Minuten vor 12. Seit Beginn des Atomzeitalters war es nie sicherer auf unserer Erde.

1995 – Es ist 14 vor 12! Hoffnungen auf eine langfristige Zeit des Friedens nach dem Ende des Kalten Krieges und auf den Verzicht von Atomwaffen verblassen. Vor allem in den USA scheinen die Hardliner unwillig, ihre Rhetorik oder Handlungen zu zügeln. Sie behaupten, dass ein wieder erstarktes Russland die selbe Bedrohung wie einst die Sowjetunion darstelle. Es sind solche Reden, die den Rückbau der globalen Nukleararsenale verlangsamen. Weltweit gibt es immer noch 40.000 Atombomben. Zudem besteht die Sorge, dass Terroristen schlecht gesicherte Atomanlagen in der ehemaligen Sowjetunion für sich nutzen könnten.

1998 – Es ist 9 vor 12! Indien und Pakistan starten mit nur drei Wochen Abstand Atombombentests. “Die Tests sind ein Symptom des Versagens der internationalen Gemeinschaft, sich voll und ganz der Kontrolle der Verbreitung von Nuklearwaffen zu verpflichten und die Zahl selbiger allmählich zu reduzieren”, schreibt das entsetzte Bulletin. Russland und die Vereinigten Staaten dienen weiterhin als schlechtes Beispiel für den Rest der Welt. Zusammengerechnet besitzen beide Staaten noch immer 7.000 einsatzbereite Atomsprengköpfe, die sie innerhalb von 15 Minuten aufeinander abfeuern können.

2002 – Es ist 7 vor 12 Bedenken in Bezug auf einen nuklearen Terroranschlag unterstreichen die Tatsache, dass enorme Mengen an schlecht gesichertem und zum Teil auch vermisstem waffenfähigem Nuklearmaterial existiert. Zwischenzeitlich drücken die Vereinigten Staaten ihren Wunsch nach der Entwicklung neuer Atomwaffen aus, die hauptsächlich dazu dienen sollen, besonders massive Ziele zu zerstören, die tief unter der Erde liegen. Zudem entscheiden sich die USA, weitere Rüstungskontrollverhandlungen zurückzuweisen und vom ABM-Vertrag zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen zurückzutreten.

2007 – Es ist 5 vor 12! Die Welt steht am Rande eines zweiten nuklearen Zeitalters. Die USA und Russland bleiben weiterhin fähig, innerhalb weniger Minuten einen nuklearen Angriff zu vollführen. Auch Nordkorea steigt in den Kreis der Staaten mit Besitz von Atomwaffen auf und führt seinen ersten Atomtest durch. Innerhalb der Internationalen Gemeinschaft nährt sich die Sorge, dass der Iran Pläne zum Erwerb der Atombombe haben könnte. Und auch der Klimawandel stellt die Menschheit vor eine ernsthafte Herausforderung. Bereits jetzt werden durch die Folgen der globalen Erwärmung ganze Ökosysteme nachhaltig geschädigt. Es kommt zur Zerstörung von Leben und Eigentum durch Überschwemmungen, zerstörerische Stürme, Dürren und schmelzendes Polareis.

2010 – Es ist 6 vor 12! “Wir sind bereit für eine Welt ohne Atomwaffen”, schreibt das Bulletin. Gespräche zwischen Washington und Moskau für ein Folgeabkommen zum Vertrag zur Verringerung strategischer Atomwaffen (START) sind fast abgeschlossen, und zusätzliche Verhandlungen zur weiteren Reduzierung der amerikanischen und russischen Atomarsenale sind bereits geplant. Die Gefahren durch den Klimawandel wachsen zwar, doch gibt es auch Fortschritte im Kampf gegen die globale Erwärmung. So verpflichten sich die Entwicklungs- und Industrieländer in Kopenhagen Verantwortung für ihre Kohlenstoffdioxid-Emissionen zu übernehmen und vereinbaren eine Begrenzung der Erderwärmung auf weniger als 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau.

2012 – Es ist 5 vor 12! Das Bulletin of the Atomic Scientists sieht ein großes Gefahrenpotenzial in der steigenden Zahl an Kernwaffen in den USA und Russland, die sich auf etwa 26.000 beläuft. Zudem mangle es an einer ausreichenden Sicherung des weltweit vorhandenen nuklearen Materials, was das Risiko erhöht, das es irgendwann und irgendwo einmal in terroristische Hände fällt und zur Machtdemonstration missbraucht wird. Zudem stellen die (angeblichen) Bestrebungen des Iran, ein eigenes Atomwaffenprogramm zu entwickeln, und der Wille von Israel dies zu verhindern, große Gefahren dar und machen eine atomare Auseinandersetzung wahrscheinlicher. Auch werden die Auswirkungen des Klimawandels in die Betrachtungen mit einbezogen.

“Die Herausforderungen, die Welt von Atomwaffen zu befreien, Kernenergie als Alternative zu Kohlekraftwerken zu nutzen und die fast unaufhaltbaren Folgen des Klimawandels zu minimieren, sind äußerst komplex und eng miteinander verbunden. Angesichts solch komplexer Probleme, ist es schwierig Wege und Möglichkeiten zu finden, diesen Herausforderungen entgegenzutreten”, muss das Bulletin feststellen. Die Politik jedoch scheint sich völlig unzureichend mit der Lösung dieser Probleme auseinandersetzen zu wollen: die Gefahr des Einsatzes von Nuklearwaffen in regionalen Krisenherden wie im Mittleren Osten, in Nordost-Asien und im südlichen Asien ist besorgsniserregend; in Anbetracht der Nuklearkatastrophe von Fukushima müssen sicherere Kernreaktoren entwickelt und gebaut sowie die Überwachung der Kernkraftwerke und die Ausbildung des Personals verbessert werden, um künftige Desaster zu verhindern; das Tempo mit dem Lösungsvorschläge zur Verlangsamung und Eindämmung der Erderwärmung gemacht um umgesetzt werden, ist längst nicht ausreichend. Schwerwiegende Störungen des weltweiten Klimas sind vorprogrammiert.

2015 – Es ist 3 vor 12! “Der Klimawandel und das ungebrochene nukleare Wettrüsten stellen eine ungemeine und unbestreitbare Gefahr für die Welt und die Existenz der Menschheit dar”, begründet Kennette Benedict, Direktorin des Bulletin of the Atomic Scientists, das neuerliche Vorrücken der Weltuntergangsuhr. Gleichzeitig kritisiert sie Regierungen und Staatsoberhäupter, die sich viel zu wenig mit diesen gefährlichen Problematiken auseinandersetzen und damit die Zivilisation dieser Erde bedrohen. Insbesondere wurde kritisiert, dass es nicht geschafft wurde, Maßnahmen zu ergreifen, die Klimaerwärmung auf maximal 2°C im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, was Wissenschaftlern zufolge die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels verhindern könnte wie etwa ausgedehnte Dürren, Hitzewellen und Überschwemmungen. Trotz einiger zaghafter Maßnahmen sei längst nicht genug getan worden, um die katastrophalen Auswirkungen einer Klimaerwärmung zu verhindern.

Weiterhin wurden die Vereinigten Staaten von Amerika und Russland kritisiert, die nicht genug für eine Abrüstung ihrer nuklearen Arsenale täten, sondern vielmehr an einer Modernisierung dergleichen arbeiteten. Gleichzeitig wurde davor gewarnt, dass Länder wie Indien, Pakistan und Israel die Vergrößerung ihrer Atomwaffen-Arsenale anstreben. “Der vorsichtige Optimismus, der nach dem Ende des Kalten Krieges in Anbetracht der Abrüstungsbestrebungen zu spüren war, ist quasi wie eine Seifenblase zerplatzt”, kritisiert Sharon Squassoni, Mitglied des Bulletins, diese Entwicklungen.

Mit dem neuerlichen Vorrücken des Doomsday-Zeigers will das Bulletin of the Atomic Scientists auf diese dringlichen Probleme aufmerksam machen und die Weltführer zum Handeln bewegen: “Wir sagen nicht, dass es zu spät ist, zu reagieren, aber das Zeitfenster für angemessene Handlungen schließt sich zusehens, warnt Benedict. Die Weltgemeinschaft muss jetzt aus ihrer Lethargie aufwachen und entsprechende Veränderungen einleiten.”

Erstmals wurde auch auf die Problematik in Sachen IT-Sicherheit, Cyber-Kriege und künstlicher Intelligenz hingewiesen. Terminator lässt grüßen!

2016 – Es ist 3 vor 12! Die Weltuntergangsuhr bleibt 2016 unverändert auf 3 vor 12 stehen. Die internationale Gemeinschaft habe 2015 zwar Fortschritte gemacht, die sich aber durch Rückschritte wieder aufheben. Als Beispiel wurden die anhaltenenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Russland genannt. Es herrsche Eiszeit ähnlich wie im Kalten Krieg, so der Physiker Lawrence Krauss, Sprecher des Bulletins. Positiv wurde das Atomabkommen mit dem Iran und die Ergebnisse der Klimakonferenz von Paris bewertet. “Das sind aber nur kleine Lichtblicke in einer dunkleren globalen Weltlage voller Potenzial für Katastrophen”, so das Urteil der Wissenschafter in ihrer Analyse. Es müsse sich z.B. erst noch zeigen, ob die Versprechen der Weltgemeinschaft bei der Klimakonferenz eingehalten werden und ausreichend sind, um den Klimawandel aufzuhalten.

20?? – Die Weltuntergangsuhr steht auf Punkt 12!!! – Kawumm…